Dienstag, 7. Februar 2012

Jeder blamiere sich, so gut er kann


Unter diesem Motto scheint ein Artikel von Christian Eckl im "Wochenblatt" zu stehen. Die Piusbruderschaft, so lesen wir da, weihte in Zaitzkofen einen Teufelsaustreiber. Einen Exorzisten also, um das Fachwort zu verwenden.

Nun ist es ja zugegebenermaßen etwas verwirrend, dass Exorzist eine der vier Niederen Weihestufen ist, zugleich aber eben nicht mit der notwendigen bischöfliche Beauftragung zum Dienst des Exorzisten identisch ist. Freilich hätte man erwarten können, dass sich ein Journalist darüber informiert. Schon ein Besuch auf Wikipedia hätte der Verwechslung vorbeugen können.

Interessanter als die Tatsache, dass schon die ganze Basis des Artikels falsch ist (einschließlich der Behauptung, Papst Paul VI. habe diese Weihestufe "abgeschafft". Die Niederen Weihen sind eben nicht abgeschafft, sondern - leider Gottes! - freigestellt worden, was zwar einer faktischen Abschaffung gleich kommt, aber sie sind kirchenrechtlich eben sehr wohl noch vorhanden), ist freilich einmal mehr die Instrumentalisierung der Meldung des an sich absolut unspektakulären Vorgangs:

Die schlichte Weihehandlung muss hier herhalten, um die Piusbruderschaft (FSSPX) als erzkonservativ und mittelalterlich zu klassifizieren (das dritte bei solchen Artikeln notwendige Attribut - nämlich "umstritten" - hat der Autor offensichtlich nicht mehr einbauen können). Objektiver wird der Artikel dann insgesamt auch nicht:

Dass man in Rom nicht über die Piusbrüder diskutiert, sondern mit ihnen um eine Lösung (möge sie rasch kommen!) ringt, scheint für den Autor des Artikels fast ebenso unvorstellbar zu sein, wie die Tatsache, dass die Kirche noch immer Dämonen austreibt und an die Existenz des Teufels glaubt. Fast könnte man nach Lektüre des Artikels meinen, Papst Paul VI. habe mit jenem Motu Proprio auch gleich das Böse an sich abgeschafft. Schön wäre es, wenn der Papst das so einfach könnte.

In der Realtität vieler Gemeinden hat man allerdings in der Tat den Eindruck, dass der Teufel wirklich nicht mehr existierte: Sünden werden als "Fehler" verbrämt, und auf eine rein zwischenmenschliche Ebene reduziert, das Fegefeuer ist abgeschafft, die Hölle gibt es nicht, den Teufel in personam schon gar nicht und über Buße und Ablässe muss man die Gläubigen heute nicht mehr informieren.

Dass Gläubigen, die - Gott sei's geklagt - im fünften Jahrzehnt in Folge durch die modernistische Wir-haben-uns-alle-lieb-Theologie geprägt wurden, alleine die Erwähnung des Teufels schon Anlass zum Ärgernis bietet, ist verständlich. Aber die Sicherheit, die das Verschweigen des Bösen bietet, ist trügerisch. Schon die größten Heiligen und Lehrer unserer Tage haben betont, dass es ein Meisterstück des Teufels ist, die Welt glauben zu machen, es gäbe ihn nicht.

Wunderbar ist dann die Verknüpfung zwischen der "erzkonservativen" Bruderschaft und dem "erzkonservativen" Papst, der doch neulich unerhörterweise ebenfalls Dämonen aus Besessenen getrieben haben soll (was sich wohl auf eine Aussage des mitunter gerade für einen echten Exorzisten befremdlich auskunfts- und interviewfreudigen Gabriele Amorth bezieht, der auch nicht mit allem recht hat, was er so von sich gibt...). Das ist eine Steilvorlage für - natürlich - anonyme Kritiker, die behaupten, der Papst und die Piusbrüder stünden sich recht nahe.

Dazu muss man nun keine Verschwörungen konstruieren. Schon der jüngere Kardinal Joseph Ratzinger hat sehr deutlich - viel deutlicher als heute! - bestimmte Fehlentwicklungen nach dem II. Vaticanum und dessen mißbräuchliche Interpretion mißbilligt. Bischof Bernard Fellay, der Generalobere der Piusbruderschaft, betonte hingegen, dass die Bruderschaft ca. 95% der Konzilsbeschlüsse annehmen könne. Der Teufel - jawohl! - steckt also offensichtlich im Detail. Und wie Bischof Fellay ernsthaft versucht, Verständnis für die Position der FSSPX in Rom zu wecken und eine Einigung zu ermöglichen, so ist es Aufgabe des Heiligen Vaters, seine Herde zu einen und jene, die aus der Einheit gefallen sind oder zu fallen drohen, wieder ganz in den mystischen Leib Christi, die katholische Kirche, einzugliedern.

Das ist ganz simpel, aber offenbar gerade deshalb für viele so unverständlich.

Schade, dass hier wieder einmal die Objektivität dem Unterhaltungswert eines Artikels geopfert wurde. Damit erlahmt mein Interesse am "Wochenblatt" auch schon, und ich wende mich wieder meinem Dan Brown zu. Der schreibt auch recht unerleuchtet, aber wenigstens mit mehr Schwung...

Kommentare:

  1. Wenn ich mich recht erinnere an P. Josef Andreas Jungmann SJ's "Missarum sollemnia" dann war der Exorzist eher im segnenden Auftrag beschäftigt, denn mit Teufelsaustreibungen. Die Menschen früher hatten ja mehr denn heute den Wunsch, Gottes Gnade in den alltäglichen Dingen zu suchen und zu finden, gerade weil ihre Sorgen ursprünglicher waren als die unseren heute. Der Segen sollte ja die Macht des Unheiligen bannen, so zB böse Einflüsse, die auf einem Feld die Früchte nicht reichlich wachsen ließen.

    Heutzutage segnet man nicht mehr, sondern überlegt den Einsatz von Dünger und Pestiziden um im vorigen Beispiel zu bleiben.

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  2. Vielen Dank für diese gute Ergänzung! Ich habe meinen Jungmann derzeit verliehen und konnte das daher nicht nachschauen. Aber es ist in der Tat Konsens, dass der Exorzist der niederen Weihestufe wohl nie die Funktion hatte, die ein bischöflich bestellter Exorzist heute ausübt.

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