Freitag, 3. Februar 2012

Verwirrung

Manche Dinge verstehe ich einfach nicht. Ohne tiefer in die Diskussion zu den einzelnen Punkten einsteigen zu wollen, zähle ich einfach mal einige Dinge auf, und zwar nur aus den letzten Monaten (die Liste ließe sich ziemlich einfach verlängern):
  • Bischöfe ärgern sich offen oder hinter vorgehaltener Hand darüber, dass der Heilige Vater mehr Latein in seinen Messen wendet. Pastorale Sorge: die Gläubigen verstünden angeblich kein Latein. Doch wessen Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Gläubigen wenigstens die elementarsten Gebete und Gesänge auf Latein können...?
  • Ebenso ärgert man sich über das erste Hochgebet, den canon romanus. Die Theologie dahinter verstünden viele Gläubige nicht mehr. Wessen Aufgabe wäre es denn, den Gläubigen zu erklären, was sie nicht verstehen?
  • "Pro multis" heißt nicht "für alle", was jeder mittelmäßige Lateinschüler weiss. Natürlich kann man "für alle" theologisch so zurechtbiegen, dass die Fehlübersetzung zumindest als Interpretation richtig verstanden werden kann. Man könnte aber auch einfach dem Wunsch des Heiligen Vaters folgen, und es machen wie in Ungarn: ein kleiner Aufkleber im Messbuch löst das Problem. Das halbe "Gotteslob" zu überkleben war vor wenigen Jahren ja auch möglich. Der Rest ist Sache guter Katechese, die wer durchführen sollte...?
  • Unter katholischen Gläubigen ist, wie wir kürzlich erfahren durften, "die Praxis und die damit verbundene Frömmigkeit des Ablasses nicht nur wenig verbreitet, sondern zunehmend unverstanden [...]". Nun fühlt der zuständige Bischof sich nicht etwa berufen, diesen Mißstand zu beheben, sondern die Diözese verschanzt sich hinter dürren Worten und Rücksicht auf die Ökumene. Oha!
  • ...
Wie kommt es eigentlich, dass Bischöfe regelmäßig so offen die Vernachlässigung ihrer Pflichten nicht nur erkennen, sondern auch bekennen - aber offensichtlich nicht auf die Idee kommen, daran etwas zu ändern? Auffallend dabei ist, dass andere Dinge (Kompositionswettbewerbe für "Neues Geistliches Lied", selbstgestrickte Liturgien, blühende Gender- und political correctnes, Dialogprozesse mit auffallender kirchenpolitischer Schlagseite, was die eingeladenen Teilnehmer und Gruppen betrifft, etc.) gar nicht schnell genug und sogar teilweise mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand umgesetzt werden können.

Da kann es manchmal gar nicht flott genug gehen...

Das ist keine Verurteilung, keine Polemik, aber auch keine rhetorische Frage. Ich verstehe es wirklich nicht.

Kommentare:

  1. Manchmal verstehe ich die Welt dann auch nicht mehr, wenn ich das lese. Was gibt es denn etwa an dem sehr schönen Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar… nicht zu verstehen? Ich freue mich jedesmal über den wunderschönen römischen Kanon, der bei uns durchaus oft genommen wird. Ich finde aber auch "Abwechslung" schön, wenn jemand das dritte oder vierte Hochgebet nimmt.

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    1. Nun, das Problem jenes Hochgebets liegt u. a. im gerade zitierten Satz mit dem Engel. Hier wird eben nicht das menschliche Tun gepriesen, unserer Hände Arbeit besungen, sondern der Fokus ganz auf Gott und den heiligen Dienst vor Gott gelenkt.

      Dass dieses I. Hochgebet daher vielen "modernen" Theologen ein ausgemachtes Ärgernis ist (Erzbischof Bugnini wollte ihn sogar eleminieren; Papst Paul VI. sah sich da persönlich zur Intervention veranlasst), überrascht mich da nicht wirklich.

      Der "moderne" Gläubige wird eben nur sehr ungern daran erinnert, dass Gott nicht unseres Lobes bedarf, sondern dass es ein Geschenk seiner Gnade ist, wie es im anderen Hochgebet heißt.

      Im Wahn, in allen Glaubensfragen einen unmittelbaren, sicht- und greifbaren Zweck zu erfüllen, wiederholt die moderne Theologie nach dem II. Vaticanum vermutlich unbewusst den Irrtum des Josephinismus.

      Es scheint mir eines der wichtigsten Anliegen unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI. zu sein, das Erbe des Konzils (bei allen sonstigen Streifragen, die noch der Klärung harren) von eben diesem Irrtum zu befreien.

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